Bereits im vergangenen Jahr wurden die letzten IP Adressen nach dem „alten“ Format IPv4 vergeben. Ein weiteres Verschieben der Umstellung auf die neuen IP-Adressen nach IPv6-Standard ist jetzt endgültig nicht mehr möglich. Theoretisch können bald keine weiteren Rechner oder mobile Endgeräte an das Internet angeschlossen werden. Der Betrieb war nur dadurch möglich, weil nicht alle Endgeräte zeitgleich online waren und sich IP-Adresse teilen konnten und weil die Internetprovider in den letzten Jahren vorsorglich Internetadressen bestellt hatten.
Das Problem ist seit Jahren bekannt und die Lösung wird nun mit mehr Schwung angegangen. Denn mit dem „Internet der Dinge“ und einer weiter steigenden Zahl an Smartphones, Tablets und Computern wird der Bedarf an IP-Adressen auch in Zukunft steigen. Das neue IPv6 Format, das unter Koordination der Internet Society (ISOC) entwickelt wurde, ist die Lösung für dieses Problem.
Wichtig ist, dass das neue Internetprotokoll jetzt schnell implementiert wird. Am heutigen IPv6 Launch Day wird ein weiterer Schritt getan und der IPv6-Standard soll nun für Netznutzer neben dem IPv4-Standard dauerhaft verfügbar sein und nicht nur probeweise für einen Tag wie im vergangenen Jahr. Über 1.400 Unternehmen weltweit stellen daher heute auf den IPv6-Betrieb um. Die Spitzengruppe bilden nach Angaben des Verbandes der Internetwirtschaft eco Inhalte- und Diensteanbieter wie Social Networks. Zudem wollen weltweit knapp 70 Netzwerkbetreiber und Internetdiensteanbieter (ISP) auf den Dualbetrieb umstellen. Auch rund fünf Ausrüster für Heimnetzwerke – den Herstellern für Router zu Hause – aktualisieren die Software ihrer Geräte für den neuen Standard.
In Deutschland wollen die großen Internetdienstanbieter bis zum Jahresende auf den neuen Standard umgestellt haben. Ich hoffe, dass die kleinen ISPs und die Netzwerkausrüster hier gleichziehen, denn die Zeit für die Umstellung auf IPv6 drängt.
Der neue Standard bietet auch neue Chancen für neue Entwicklungen. Mit IPv6 können jetzt auch Endgeräte (Computer, Handys, Fernseher aber auch z.B. Kühlschränke) untereinander besser kommunizieren. Auch können zukünftig von einem Gerät aus mehrere IP-Adressen für unterschiedliche Zwecke genutzt werden. Das schafft die Grundlage für einen neuen Vernetzungsgrad zwischen Geräten bei der gleichzeitigen Möglichkeit, Geräte stärker zu individualisieren. Werden hierfür sinnvolle Anwendungsszenarien entwickelt, könnten diese Neuerungen schon bald nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken sein.
Ein sensibles Thema bei diesen neuen Möglichkeiten der Vernetzung ist der Schutz der Privatsphäre. Mit einer stärkeren Vernetzung von Geräten wird es zukünftig auch möglich sein, mehr Informationen zu erheben. Ein vernetzter Kühlschrank z.B. kann Aufschluss über seinen Inhalt und damit über den Lebenswandel einer Person geben. Ein vernetzter Fernseher kann Informationen über die Programmvorlieben seines Nutzers geben.
Wir Liberale wollen nicht, dass die Privatsphäre hier dem technischen Fortschritt zum Opfer fällt. Gerade der Aufbau der IP Adresse nach neuem Format hat zuletzt für Spekulationen gesorgt, ob hier nicht zu viele Rückschlüsse auf einzelne Nutzer oder Geräte gezogen werden können. Technisch wird jedoch auch die „dynamische“ Vergabe von IP Adressen nach dem bewährten Schema möglich sein und ich hoffe, dass die Anbieter von solchen Diensten dies auch ermöglichen oder gar zum Standard erheben. Auch die Nutzung der sogenannten „Privacy Extensions“ kann dem Schutz der Privatsphäre der Internetnutzer dienen. Den Schutz der Bürgerrechte im Netz halte ich jedenfalls auch mit IPv6 möglich, wenn die Beteiligten es wollen. Dafür setze ich mich politisch auch weiter ein, wenn es dann in Deutschland mit IPv6 richtig losgeht.
